Macht Cholesterin glücklich? Der Einfluss von Testosteron und Cholesterin auf das eigenen Wohlbefinden

Lange Zeit war die Mär von einem schädlichen Zuviel an Cholesterin – der sogenannten Hypercholesterinämie – unumstößliches Diktum in der Medizin und gipfelte in einer 1987 von der US-Regierung groß angelegten Kampagne (National Cholesterol Campaign), die beispielsweise den Konsum von maximal zwei Eiern pro Woche und einen weitgehenden Verzicht auf Fette propagierte. Die Begriffe vom sogenannten „guten HDL-Cholesterin“, das schädliches Cholesterin aus den Zellen herausfischt, und seinem Gegenspieler, dem „bösen LDL-Cholesterin“, das primär für die schädlichen Ablagerungen sorge, machten die Runde.

Cholesterin und Testosteron

Der Begriff „Testosteron“ geht auf einen Pharmakologen zurück, der das Hormon erstmalig aus einem Stierhoden extrahieren konnte und setzt sich aus „testis“ (Hoden) und den Molekülnamen „sterol“ und „Ketone“ zusammen.

Erwiesen ist zwar die Tatsache, dass die schädlichen, arteriosklerotischen Ablagerungen größtenteils aus Cholesterin bestehen, aber die Frage, aus welchen Quellen das Cholesterin stammt und welche Ursache für das Übermaß an den Zellwänden dahinter steckt, blieb lange Zeit unbeachtet. Dabei befindet sich Cholesterin als Baustein zur Bildung von Steroidhormonen wie Testosteron mit eben jenen Hormonen im Wechselspiel und wird zu 95 Prozent im Körper produziert. Und Testosteron wiederum wird nachgesagt, bei erhöhter Konzentration für gesteigerten Antrieb, Leistungsfähigkeit und Fitness verantwortlich zu sein.

Das legt den Schluss nahe, dass sich alle drei Faktoren gegenseitig beeinflussen. Doch wie funktioniert das Getriebe aus diesen drei ineinander greifenden Zahnrädern und welche Auswirkungen hat der Wechselklang auf leistungsfördernde Maßnahmen im Sport?

Der Alleskönner Cholesterin

Cholesterin ist Nahrungsfett und allgegenwärtiger Bestandteil menschlichen Gewebes. Es ist

  • für die Bildung von Vitamin D essentiell, das den Knochenstoffwechsel steuert
  • am Aufbau jeder Zellmembran beteiligt
  • zur Bildung der Nervenhüllen notwendig
  • bei der Synthese von Gallensäure unverzichtbar, die für den Abbau giftiger Stoffwechselprodukte in der Leber benötigt wird

Als Fett ist die nicht wasserlösliche Substanz auf Trägerstoffe, auf die zwei sich in ihrer Arbeitsweise ergänzenden Lipoproteine HDL und LDL, angewiesen, die das Cholesterin in den Blutkreislauf und von dort zu den Schleusentoren der Körperzellen, den Rezeptoren transportieren können.

Bei vielen Menschen ist die Anzahl solcher körpereigener Rezeptoren genetisch nicht ausreichend ausgebildet, um die Menge an Cholesterin zum Abbau ins Zelleninnere weitertransportieren zu können. Das überschüssige Cholesterin bleibt im Blut, kann sich an den Gefäßwänden ablagern und sie verengen. Verengte Gefäße wiederum erhöhen die Gefahr von Blutgerinnseln (Thrombosen) und Gefäßerkrankungen.

Arterienverkalkung durch Cholesterin

Über die Ursache von Gefäßablagerungen geht die Lehrmeinung aktuell auseinander, unbestritten ist jedoch, dass Cholesterin Bestandteil der schadhaften Ablagerungen ist.

Mit Cholesterin verbunden, verhalten sich die zwei HDL- (high density lipoprotein ) und LDL-Komplexe (low density lipoprotein) komplementär entgegengesetzt hinsichtlich ihrer Transporteigenschaften: Die HDL-Variante transportiert überflüssiges Fett aus dem Blut zur Leber, wo es abgebaut werden kann, LDL steuert den umgekehrten Weg und holt freies Cholesterin in der Leber ab und führt es all jenen Körperzellen zu, die einen entsprechenden Rezeptor ausgebildet haben und es aufnehmen können.

Erhöhte Aufnahme an Cholesterin aus der Nahrung in Form von Butter, Eiern oder Fleisch kann bei einem gesunden Menschen nicht signifikant zu einem erhöhten Spiegel beitragen, da das Cholesterin im Körper nur überhaupt zu rund fünf Prozent aus der Nahrung stammt und zu einem überwiegenden Teil in der Leber, Nebenniere und den Dünndarmzellen gebildet wird, wie ein Artikel der Deutschen Herzstiftung betont.

Wird dem Körper extern ein Zuviel an Cholesterin zugeführt, drosselt der Körper die eigene Produktion, im Fall eines Unterangebots verläuft der Prozess entsprechend umgekehrt.

Die 4-S-Studie zu Cholesterin

Die Herzstiftung führt weiter aus, dass vor allem entzündliche Reaktionen in den Herzkranzgefäßen zu einer Stabilisierung krankhafter Ablagerungen an den Gefäßwänden führen und so für die Ausbildung einer koronaren Herzkrankheit dann verantwortlich sind, wenn das Gefüge bricht und sich ablösende Partikel Venen und Arterien verstopfen können.

Dabei verläuft der Prozess indirekt, die Ablagerungen selbst sind nicht das Hauptproblem sondern eher die direkte Reaktion des Organismus auf Schädigungen wie Plaques (Ablagerungen):
Bei Beeinträchtigungen der Herzgefäß-Innenwände vermehren sich weiße Blutkörperchen und Muskelzellen in den Arterienwänden, was in einem komplexen Prozess zur Plaque-Ausbildung führen kann.

Zu diesen Ergebnissen ist die Scandinavian Simvastatin Survival Study (4-S-Study) in der Lancet-Ausgabe von 1994 gelangt, mit folgenden Eckdaten und Resultaten:

  • Beobachtung von 4 444 Patienten zwischen 35 und 70 Jahren
  • Behandlung von Gruppe A (2 223 Patienten) mit Diät und einem Placebo
  • Behandlung von Gruppe B (2.221 Patienten) mit Diät und einem CSE-Hemmer (Cholesterin-Synthese-Hemmer, welche die Cholesterin-Bildung in den Leberzellen reduziert und zur Blutfett-Absenkung eingesetzt wird
  • Senkung des Gesamtcholesterins um 25 Prozent in der B-Gruppe mit deutlich stark reduzierter Infarkt-Todesrate von 42 Prozent der B-Gruppe (111) gegenüber der A-Gruppe (189) im gleichen Beobachtungszeitraum
  • Senkung der allgemeinen Sterberate in der B-Gruppe um 30 Prozent
  • Reduktion der Fälle von Herzkomplikationen der B-Gruppe gegenüber der A-Gruppe um 34 Prozent
  • Absenken der Schlaganfall-Quote um 30 Prozent gegenüber der A-Gruppe

Eine Cholesterin-Lüge?

Cholesterin Lüge

Die Auffassung, nach der Menschen, die viel Fleisch, Butter, Milch und Eier und damit gesättigte Fettsäuren essen, mit höherer Wahrscheinlichkeit an einem Herzinfarkt sterben, war der Auslöser für eine propagierte „Herz-Diät“ in den 70er Jahren.

Die Anhängerschaft einer diametralen Lehrmeinung ist in THINCS (The International Network of Cholesterol Sceptics) versammelt und schart sich in Deutschland um ihre Galionsfigur, Prof. Dr. med Walter Hartenbach, Facharzt für Chirurgie. Die Hauptthesen sind in Spektrum zusammengefasst und versuchen den tradierten Hauptpostulaten der klassischen Lehrmeinung fundamental zu widersprechen, die lauten:

  • Ein niedriger Cholesterinpegel im Blut (weniger als 200 mg/dl) ist anzuraten und muss Therapieziel einer Behandlung mit Cholesterinsenkern wie Statinen sein.
  • Cholesterin setzt sich an den Gefäßwänden ab und führt dadurch zu Herz- und Kreislaufstörungen.
  • Der Cholesterinspiegel ist durch eine cholesterinreduzierte Ernährungsweise steuerbar.

Hartenbuch weist in seinem Fachartikel „Cholesterin-Lüge – Das Märchen vom bösen Cholesterin“ besonders auf die Bedeutsamkeit von Eiweiß als Grundsubstanz des menschlichen Organismus hin und empfiehlt täglich Fleisch oder Fisch, Obst, Milch, Milchprodukte sowie Eier. Ein Ei unterstütze wegen seines hohen Gehalts an Vitamin A und seinem hochwertigen Eiweiß die allgemeine Leistungsfähigkeit und könne bedenkenlos täglich konsumiert werden.

Ohne Cholesterin keine sexuelle Power

Täglicher, ausreichend hoher Eiweißkonsum treibe die Produktion wichtiger Sexualhormone wie Testosteron an, die zum muskulären Eiweißaufbau dringend notwendig sind. Eine Cholesterin-Senkung könne bei Männern zu Impotenz führen, da zu wenige Sexualhormone gebildet werden. Außerdem besteht bei einem Cholesterin-Mangel die Gefahr von degenerativen Erkrankungen des Skelett-Systems, da der Eiweiß- und Kalkeinbau gestört ist und Osteoporose auftreten kann. Geringere Knochendichte und niedriger Mineralsalzgehalt im Knochen können die Folge sein, Knochenbrüche drohen.

Hartenbach verweist auf die Bedeutung des Cholesterins als lebenswichtige Hormonvorstufe. So werden aus dem LDL-Cholesterin lebensnotwendige Hormone wie Testosteron, Östrogene sowie das den Mineralhaushalt regulierende Hormon Aldosteron gebildet.

Testosteron – Der Liebes- und Gesundmacher

Sexualität ist ohne das in den Leydig-Zellen im männlichen Hoden und den weiblichen Eibläschen produzierte Testosteron nicht denkbar, denn es sorgt für sexuelle Lust. Im Blut zirkulierendes, freies Testosteron entscheidet dabei über die Erregbarkeit von Mann und Frau, je mehr davon vorhanden ist, umso schneller entsteht eine Erregung. Bei der Erregung wird wiederum über die Hirnanhangsdrüse und deren Steuerhormone eine weitere Produktion angekurbelt – ein Kreislauf entsteht, der sich selbst in Schwung bringt und hält.

Testosteron bei Frauen

Testosteron bewirkt bei der Frau einen gesteigerten Sexualtrieb, ein Mehr an Antrieb und Energie und lässt in der Pubertät Achsel- und Schamhaare wachsen.

Nebenniere und Eierstöcke produzieren gleichsam Testosteron im weiblichen Organismus und bringen es in einer etwa zehnfach geringeren Menge als beim Mann in den Blutkreislauf. Im But wird Testosteron zum Großteil an Eiweiße gebunden und so zu den verschiedenen Organen befördert, wo es seine Aufgaben erfüllt.

Testosteron hat nicht nur eine anabole Wirkung, indem es den Eiweißstoffwechsel in Richtung Aufbau positiv beeinflusst, Antriebskraft und Energieleistung steigert, sondern kann auch depressiven Verstimmungen entgegenwirken.

Als Stimulans des Geschlechtsaktes leistet Testosteron laut Sexualmediziner und Männerarzt Dr. Georg Pfau aus Linz indirekt einen wesentlichen Beitrag zur Gesundheit, da während des Sexualaktes mehr als 50 verschiedene Botenstoffe wie Endorphine, Dopamin und Serotonin ausgeschüttet werden, die für das Erleben von Glücksgefühlen und Wohlbefinden sorgen. Sex kann durch Stimmungshoch auslösende Endorphine antidepressiv wirken und selbst Schmerzen lindern.

Der aggressive, testosterongesteuerte Mann – Ein Klischee?

Die körpereigenen Morphin-Ableger sind es auch, die bei und nach großen körperlichen Anstrengungen vom Körper ausgeschüttet werden und beim Joggen für das „Runner‘s High“ verantwortlich sind – eine Art Rauschzustand während der sportlichen Aktivität.

Testosteron interagiert einerseits mit Cholesterin – es trägt zur Senkung des Cholesterinspiegels bei – und andererseits mit der Psyche, indem es Stimmungen maßgeblich beeinflusst, zahlreiche Studien belegen das.

Das Betrachten von aggressiven Kampfszenen steigert nachweislich nicht nur die Testosteron-Konzentration im Blutkreislauf sondern wegen fehlender Blut-Hirn-Schranke auch im Gehirn.

Das Betrachten von aggressiven Kampfszenen steigert nachweislich nicht nur die Testosteron-Konzentration im Blutkreislauf sondern wegen fehlender Blut-Hirn-Schranke auch im Gehirn.

Wie in sciencedirect.com zu lesen, kam eine Studie englischer Wissenschaftler unter zwölf professionellen Rugby-Spielern zu dem Ergebnis, dass das Ansehen von Videos mit aggressiven Inhalten die Leistungsbereitschaft fördert, bis an seine körperlichen Grenzen zu gehen, da allein durch das Betrachten die Testosteron-Konzentration im Blut der Probanden anstieg. Die Versuchsanordnung und ihre Ergebnisse haben die Experten von Peak zusammengefasst und belegen, dass es einen eindeutigen Zusammenhang zwischen Testosteron und körperlicher Leistung gibt.

Neuere Trainingsmethoden machen sich die Erkenntnisse bereits zu Nutze, indem Top-Athleten vor Wettkämpfen mit Videoclips „gefüttert“ werden, in denen aggressives Verhalten beispielsweise bei Kampfsportarten zum Ausdruck kommt.

Eine weitere Studie der National Academy of Sciences of the United States of America (siehe hier) fand heraus, dass bei Börsenhändlern ein Zusammenhang zwischen Hormon-Menge im Blut und finanziellem Erfolg besteht. 17 Londoner Börsenhändler gaben eine Woche lang vor und nach der Arbeit Speichelproben ab und teilten den Forschern ihre Tagesgewinne mit: „Testosteron-geschwängerte“ Probanden stachen ihre Mitprobanden mit niedrigerem Level aus, was Umsatz und Gewinne betrafen.

Studien mit männlichen Gefängnisinsassen ergaben, dass die Testosteron-Konzentration mit der Schwere der begangenen Verbrechen zusammenhängt. So lag der Hormonpegel bei Häftlingen, die Kapitalverbrechen begangen hatten, durchschnittlich höher als der von Mitinsassen, die nur wegen vergleichsweise geringfügigeren Delikten verurteilt worden waren. Auch wiesen die Untersuchungen darauf hin, dass Häftlinge mit viel Testosteron im Blut öfter mit anderen Insassen in Konflikt gerieten.

Höhere Testosteronwerte können aber auch das Resultat von Aggressionen sein. So zeigten Forscher Hockeyspielern das Video eines Spiels, das ihre Mannschaft gewonnen hatte, wobei daraufhin ihr Testosteronlevel anstieg.

Fazit

Es besteht ein ursächlicher Zusammenhang zwischen Cholesterin, Testosteron und einer psychologischen Komponente, alle drei Faktoren bedingen sich wechselseitig. Gute Stimmungen und Gefühle triggern eine vermehrte Testosteronausschüttung, die wiederum eine Cholesterinsenkung steuert. Umgekehrt trägt ein höherer Cholesterinpegel zur vermehrten Hormonproduktion bei, die sich ihrerseits durch Sexualhormone positiv auf das eigene Wohlbefinden und die körperliche Leistungsfähigkeit auswirken kann. In diesem Sinne lässt sich die Frage nach einer Beeinflussbarkeit der Psyche durch Cholesterin bejahen. Ist ein Faktor in dem Gefüge aus seinem Gleichgewicht geraten, gerät die Gesamtkonstitution des Organismus ins Wanken und sollte ärztlich behandelt werden.

Quellenangabe zu den Bildern:
Abbildung 1: fotolia©designer491 (#79453012)
Abbildung 2: fotolia©psdesign1 (#71698978)
Abbildung 3: fotolia©Sebastian Kaulitzki (#12814252)
Abbildung 4: fotolia©Mr Korn Flakes (#78773702)
Abbildung 5: pixabay©Wikilmages (CCO 1.0)

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